Gedenkveranstaltung für lesbische und schwule Opfer des Nationalsozialismus

27.01.2018 20:06

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Gedenkveranstaltung
"Ich verbeuge mich heute vor den schwulen und lesbischen Opfern des Nationalsozialismus. Sie sind Opfer, die leider viel zu oft vergessen werden", so Staatssekretärin Serap Güler bei der Gedenkveranstaltung des LSVD NRW, der LAG Lesben in NRW e.V., der ARCUS-Stiftung, des Schwules Netzwerk NRW und des Arbeitskreises LSBTI im ver.di am Kölner Mahnmal am 27. Januar 2018.
Staatssekretärin Güler erinnerte an jene ca. 70.000 schwule Männer, die in der Zeit der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten nach § 175 StGB strafrechtlich verfolgt worden und an Lesbische Frauen, die als sogenannte „Asoziale" oftmals ins KZ kamen. Unzählige Schikanen und Gräueltaten mussten sie in den Internierungs- und Konzentrationslagern erdulden: Nicht nur unsere Vergangenheit trägt uns eine besondere Verpflichtung auf, sondern auch unsere Gegenwart."
Gabriele Bischoff verwies in ihrer Begrüßungsansprache darauf, dass es seit den 80er-Jahren immer wieder Bemühungen seitens lesbenpolitischer Initiativen gegeben hat, ein Gedenkzeichen in der Gedenkstätte Ravensbrück anzubringen. Alle Anträge wurden bisher vom Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten abgelehnt – begründet wurde dies mit dem Fehlen einer systematischen strafrechtlichen Verfolgung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus. Dabei wurden die wissenschaftlichen, wenn auch ehrenamtlichen Forschungen, beispielsweise von Claudia Schoppmann und Carola Gerlach, bisher ignoriert. Es kann und darf nicht der Schluss gezogen werden, dass die geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung von lesbischen Frauen in der Bewertung und Einordnung durch die nationalsozialistische Justiz völlig ohne Belang war. Das Gedenken allein an den ausdrücklichen nationalsozialistischen Kriterien der Strafverfolgung zu messen, lässt außer Acht, dass die antihomosexuelle Repression des NS-Regimes lesbische Existenzweisen einmal mehr massiv in die Unsichtbarkeit drängte und dies das historische Wissen über Lebensgeschichten lesbischer Frauen bis heute erheblich begrenzt. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat den Widerstand endlich aufgegeben.
Es brauchte neben Symposien und Fachtagungen den öffentlichen Druck durch die Initiative "Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich" für ein kollektives Gedenkzeichen in Ravensbrück. Ob es die von der Initiative geforderte "Gedenkkugel" oder eine Gedenktafel mit dem Nennen von zwei konkreten Namen wird, ist noch nicht abschließend geklärt.

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