Kitty-Kuse-Platz 10829 Berlin

23.06.2017 13:35

Benennung einer Grünanlage in Berlin Schöneberg nach unserer SAFIA-Schwester Kitty

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Kitty Kuse (Mitfrau  bei SAFIA bis zu Ihrem Tod) wuchs inmitten der sogenannten „Roten Insel“ in Schöneberg auf - so genannt wegen der politisch linken Orientierung der Arbeiterschaft. Ihr Vater, ein Handwerker, war SPD-Mitglied. Als Jugendliche war sie Mitglied einer „Proletarischen Singschar“, mit der sie jugendbewegt fast jeden Sonntag mit Klampfe und Singbuch ausgestattet in die Umgebung Berlins wanderte. Ihre ersten gleichgeschlechtlichen Erfahrungen erlebte sie (nach eigener Aussage im Stroh) in der Gruppe, wo man auch keine Probleme damit hatte. Kitty Kuse arbeitete als kaufmännische Angestellte. Im „Dritten Reich“ trat sie nicht in die NSDAP oder in eine ähnliche Organisation ein; der Preis, den sie dafür zahlte, war langjährige Arbeitslosigkeit. Aus Unkenntnis über das Lesbischsein überlegte sie eine Zeitlang, sich einen männlichen Namen zuzulegen; ein Arzt des Hirschfeld-Instituts bewahrte sie jedoch davor, für die Nazis aktenkundig zu werden. Kitty Kuse sorgte auch für das Überleben der jüdischen Malerin Gertrude Sandmann, indem sie Lebensmittel quer durch Berlin zu ihrem Versteck brachte. In der DDR holte sie das Abitur und das Studium nach und erhielt 1951 den akademischen Grad „Diplomwirtschaftler“ der Berliner Humboldt-Universität.

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In den frühen 60er Jahren zog sie mit ihrer Lebensgefährtin und deren zwei Kindern nach Westberlin. 1970, nach 18jährigem Zusammensein, trennte sich die Freundin von ihr. Kitty beschloss, sich durch die Gründung einer Gruppe berufstätiger älterer Lesben etwas vom Kummer der Trennung abzulenken. Über die zuerst gegründete „Homosexuelle Aktion Westberlin“ – HAW, aus der das „Lesbische Aktionszentrum“ – LAZ hervorging, erhielt sie die Adressen von älteren Lesben, die sich angesichts der Jugendlichkeit der LAZ-Frauen zurückgezogen hatten. 1974 schrieb Kitty diese Frauen an und gründete die Gruppe „L 74“ (das „L“ steht für Lesbos); ab 1975 gab sie mit der Gruppe eine Lesbenzeitschrift mit dem Namen „ukz – unsere kleine zeitung“ heraus, die mehr als fünfzehn Jahre lang existierte. Die “kleine Zeitung” war wirklich kleinformatig, und Kitty sorgte haushälterisch und mit nimmermüdem Engagement dafür, dass keine Schulden entstanden. Notfalls glich sie ein Defizit persönlich aus. Jeder Brief, den sie erhielt, wurde von ihr beantwortet.

Ein Höhepunkt war der Besuch der Ärztin und Psychologin Charlotte Wolff (1897-1986) in Berlin, nachdem Kitty Kuse ihr aufgrund ihrer Bücher über lesbische Frauen und Bisexualität geschrieben hatte. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zwischen Wolff und der Gruppe L 74, wobei die Frauen des Buchladens Labrys den Kontakt vertieften.

Kitty Kuse hat Pionierinnengeist und Mut bewiesen; für ihre Integrität wurde sie respektiert. 2015 beschloss eine Gruppe von Frauen, Spenden für einen Gedenkstein zur Erinnerung an sie zu sammeln, der seit 2016 auf dem Matthäusfriedhof in Berlin-Schöneberg steht.

Verfasserin: Ilse Kokula, Christiane von Lengerke, Eva Rieger

Quelle: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/kaethe-kitty-kuse/

 

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