Lesbische Aktivistin Alternativer Nobelpreis für Uganderin

01.10.2015 17:29

zum ersten Mal seit der ersten Vergabe eines Alternativen Nobelpreises 1980 wird der Kampf gegen die Diskriminierung Homosexueller geehrt

 

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Die lesbische Uganderin Kasha Jacqueline Nabagesera bekommt in diesem Jahr den Alternativen Nobelpreis. Die Jury würdigt damit ihren mutigen Einsatz gegen die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaft

Diese Antwort kommt prompt und passend: Zwei Tage nach dem Ausruf „Wir sind doch keine Schwulen!“ von Simbabwes Präsident Robert Mugabe vor der UN-Vollversammlung ist der Alternative Nobelpreis an die lesbische Uganderin Kasha Jacqueline Nabagesera für ihren Kampf um die Rechte Homosexueller gegangen. Die 35- jährige Menschenrechtsjuristin ist seit der Studienzeit aktiv gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LSBT) in Afrika eingetreten. Nabagesera beteiligte sich im letzten Jahr maßgeblich an einer erfolgreichen Gerichtsklage gegen ein neues drakonisches Anti-Homosexuellen-Gesetz in ihrem Heimatland. Noch 2009 wollte die Regierung in Kampala die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Liebe einführen.

Die Jury der Stiftung „Right Livelihood Award“ begründete ihre Entscheidung am Donnerstag in Stockholm damit, dass sich die Juristin aus Ostafrika „trotz unerträglicher Einschüchterung und Gewalt mit Mut und Hartnäckigkeit für das Recht von LSBT auf ein Leben ohne Vorurteile und Verfolgung einsetzt“. Stiftungs-Sprecher Ole von Uexküll wies darauf hin, dass damit zum ersten Mal seit der ersten Vergabe eines Alternativen Nobelpreises 1980 der Kampf gegen die Diskriminierung Homosexueller geehrt wird: „Das war eine große Lücke. Wir haben uns sehr gefreut, dass unter 128 Nominierungen für 2015 diese gekommen ist.“ Auch bei dem seit 1901 in Oslo vergebenen Friedensnobelpreis hat es trotz vieler Vergaben an Menschenrechtler noch nie eine Auszeichnung für die Durchsetzung von Rechten und Anerkennung für Homosexuelle gegeben.

Nabagesera, die sich die Auszeichnung aus Schweden mit drei weiteren Preisträgern teilt, hat stets offen als lesbische Frau gelebt und nach eigener Aussage „erst mit 19 begriffen, dass das in meinem Land kriminell ist“. Auslöser für den Sichtwechsel war der Versuch, sie wegen der sexuellen Orientierung von der Universität zu verweisen. Nabagesera trat als einer der ersten Frauen in Uganda öffentlich für die Rechte Homosexueller auf und gründete die erste LSBT-Organisation. Sie beteiligte sich an Protesten gegen das hetzerische Outen von Schwulen und Lesben in großen Medien mit der Aufforderung zu Lynchjustiz. 2011 wurde ihr Mitstreiter David Kato in seinem Haus mit Hammerschlägen getötet.

Während zahlreiche LSBT-Aktivisten aus Angst vor Gewalt und staatlicher Verfolgung aus Uganda flüchteten, ist Nabagesera geblieben. Sie musste häufig den Wohnsitz wechseln und gründete als Gegenöffentlichkeit die Homosexuellen-Zeitschrift „Bombastic“. Benannt ist das Blatt nach ihrem eigenen Spitznamen aus dem unerschrocken offenen Auftreten als jugendlicher Lesbierin.

"Enorme Ehre und Anerkennung"

Über die Zuerkennung des Alternativen Nobelpreises meinte die Uganderin in einer Erklärung aus Kampala: „Er ist eine enorme Ehre und Anerkennung der Arbeit, die ich mit einer Handvoll Aktivisten vor zehn Jahren gestartet habe.“ In vielerlei Hinsicht sei die Lage in ihrem Land seitdem „durch die heute viel unverhülltere Verfolgung schlimmer geworden“. „Andererseits sind wir heute sichtbarer. Jeder weiß, was ‚kuchu‘ ist, unser Slangwort für LSBT.“ Sie hoffe, dass der Preis „ein paar Türen für den Dialog öffnet mit denen, die noch nicht begreifen, warum die Menschenrechte allen gehören, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität.“

Bei öffentlichen Auftritten prangert Nabagesera neben der eigenen Regierung auch „zunehmende staatlich gesponserte Homophobie“ in Ländern wie Nigeria, Kenia, Äthiopien und auch Russland an. In Afrika spielt nach ihrer Aussage neben muslimischen und katholischen Einflüssen insbesondere auch die „Anti-Homo-Propaganda von Evangelisten aus den USA“ eine besonders unheilvolle Rolle. Bester Beleg war eine von Mugabes zahlreichen Tiraden gegen Homosexuelle bei der UN-Vollversammlung. Er sagte: „Wir lehnen auch Versuche ab, uns ‚neue Rechte‘ zu verschreiben, die unseren Werten, Normen, Traditionen und unserem Glauben widersprechen. Wir sind doch keine Schwulen!“

Mit dem Alternativen Nobelpreis sollen Leistungen zur Bewältigung der „dringendsten Herausforderungen unserer Zeit“ belohnt werden. Der schwedisch-deutsche Publizist und zeitweilige Europa-Parlamentarier für die Grünen, Jakob von Uexküll, hatte die Stiftung mit dem Verkauf seiner Briefmarkensammlung finanziert. Er begründete die Initiative auch als Kritik an den traditionellen Nobelpreisen: Sie seien an konservativen westlichen Vorstellungen orientiert und würden überwiegend an konservative westliche und fast immer männliche Preisträger vergeben.

Quelle: Frankfurter Rundschau 01.10.2015
Autor: Thomas Borchert

 

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